„Alleine reisen ist doch scheisse“

„Alleine reisen ist doch scheisse“ habe ich neulich gehört, als ich von meiner Weltreise 2013 erzählt habe. Diese Weltreise habe ich – ja, tatsächlich – alleine gemacht. Nur geht dieses Zitat nicht aus dem Kopf. Also, was war wirklich scheisse am Alleine Reisen?

  • Man zahlt oft einen Preis fürs Zimmer. Egal, ob da jetzt eine oder zwei Personen drin schlafen. Ist natürlich doof, so alleine. Aber: Man kann immer handeln. Oft lässt sich am Preis was machen, wenn man mit traurigem Gesicht vom schlimmen „Aber ich bin doch allein“-Sein erzählt. Oder man teilt sich das Zimmer mit Menschen, die man auf der Reise kennenlernt. Also. Kein Argument!
  • Man muss alleine Essen. Haha, ehrlich: Quatsch! Setz Dich irgendwo dazu, sprich mit den Menschen und du wünschst Dir irgendwann, Du könntest mal wieder alleine und in Ruhe essen.
  • Abends ist man immer alleine. Hier gilt dasselbe wie beim Essen. Und: Gib einfach mal ein Bier aus, wenn Du allein in der Strandbar sitzt. DAS klappt immer!
  • Entscheidungen treffen. Das scheint für einige wirklich ein Problem zu sein. Ich habe in Laos ein deutsches Pärchen kennengelernt. Er erzählte, dass er so froh sei, seine Freundin dabei zu haben, weil er sich tagelang nicht entscheiden könnte, ob er jetzt weiter nord- oder südwärts wolle. Sie nehme ihm das ab, bevor er drüber grübelt. Ok, das mag extrem sein, ich dagegen habe es genossen, jeden Tag selbst zu entscheiden, wohin ich als nächstes will. Meine Reiseroute von einem Reisepartner bestimmen zu lassen – dazu wäre ich zu egoistisch.
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Victory-Zeichen in Asien und Du hast neue Freunde. So einfach wie Per Anhalter Fahren!
  • „Allein kann man seine Eindrücke nicht teilen“ – Schreib einen Blog und baller Deine Eindrücke lieber zu den Leuten, die sowieso gerade nicht dasselbe sehen wie Du. Wenn Dir das nicht reicht: Unterhalte Dich mit sicherlich verfügbaren Menschen (wenns sein muss, auch in Deiner eigenen Sprache – gibts überall) vor Ort. Du wirst überrascht sein, auch mal ganz andere Sichtweisen kennenzulernen.
  • Alleine ist man Aussenseiter. Zugegeben, die Befürchtung hatte ich auch. Es gibt auch tatsächlich ein paar Ziele, an denen man vor lauter Pärchen und Familien fast die Krise bekommt. Da hilft nur eins: Weiterziehen! An vielen Plätzen dieser Welt sind massenweise Alleinreisende unterwegs.

Was tatsächlich „scheisse“ ist am Alleine Reisen: Ich hatte manchmal einfach zuviel davon, andauernd neue Menschen kennenzulernen. Zuhause trifft man ja auch nicht jeden Tag neue Menschen, mit denen man gleich einen oder mehrere Tage verbringt und teils intensive Erlebnisse teilt. Aber auch da gibt es ein ganz einfaches Mittel dagegen: Sei allein! Du wirst es genießen!

Oder hat noch jemand Argumente gegen das Alleinreisen? ;-)

17 Antworten auf „„Alleine reisen ist doch scheisse““

  1. Ich seh das mit dem Alleinreisen ähnlich – also das scheisse finden – hrhr.

    Das hat bei mir allerdings ganz andere Gründe, während ich in der Weltgeschichte rumspringe, hängen bei mir zu Hause Kerl und Kinder rum. Heißt: Ich find an sich total geil, was ich da tue, aber ich kann es nicht mit ihnen teilen. Das ist manchmal: KACKE.

    Ich hab diese Reisen also manchmal nur für mich allein (früher hätte ich mich das übrigens gar nicht getraut, habe deswegen 2 Monate Indien sausen lassen, ich DEPP).
    Es gibt Bereiche, da ist das Alleinsein großartig, aber wenn ich in Dubai im Wild Wadi stehe, frage ich mich, wo die Kinder sind. Oder allein im strömenden Regen unterm Eiffelturm stehen und obendrauf dann alle Liebespaare fotografieren, weil ich hab ja nix zu tun, bin ja allein….och, das ist nicht unbedingt meins, aber ich mach´s trotzdem, wenn es sein muss ;).

    Vielleicht liegt´s daran, dass ich ne Frau bin und verstärkt durch den Hormonkack als Mutti…was weiß ich.
    Aber: Gemeinsam Urlaub machen ist für mich wirklich wesentlich erfüllender.
    Deinen Punkten kann ich da aber trotzdem nicht widersprechen. Wahrscheinlich gewöhnt man sich an alles ;)

    So. Genug geschwafelt!
    D

    (So oft wie ich hier in letzter Zeit kommentiere hältst du mich bald für einen Stalker…)

    1. Ach Dani, stalken ist doch super ;-)
      Ich kann dich gut verstehen. Wenn es bei mir so gewesen wäre, hätte ich sicher auch recht oft „Heimweh“ gehabt.
      Nimm sie doch einfach immer mit ;-)

  2. Also – am Frausein kanns nicht liegen, ich bin ja – glaube ich – auch eine. :D Nee, also ernsthaft: Ich kann Dir nur zustimmen, Alleinreisen ist toll. Als ich 2009 das erste Mal alleine gereist bin, und dann auch noch die erste Fernwanderung, war ich so voller Glückshormone, das wäre niemals zu zweit so gewesen. Und trotz Mann zu Hause, der mein bester Freund und Liebhaber ist: Alleinereisen muss ab und zu sein, nur mit mir selbst alles auszumachen, endlich fix Entscheidungen treffen ohne auszudiskutieren, angstlos sein (bin ich seltsamerweise auch eher, wenn ich alleine unterwegs bin), viel mehr wahrnehmen, mal weniger Quatschen… und die Hormone, Mann! ;) Die Glückshormone gehen dann irgendwie mit mir durch und einen Teil davon bringe ich dann immer mit nach Hause. :)

  3. Ich mag das allein Reisen sehr – keine Diskussionen, größmögliche Spontanität ist möglich, man kann alles in sekundenschnelle aus dem Bauch heraus entscheiden. Außerdem lernt man alleine am einfachsten Leute kennen – als Alleinreisender muss man sich eigentlich nur irgendwo hinhocken und wird von alleine angesprochen! Also: Selbst, wenn man seine Reise alleine startet: wirklich allein ist man fast nie. Und wenn, dann kann man das auch ruhig mal genießen!

    1. Die krassesten Erfahrungen mit dem „ich setze mich jetzt einfach mal allein irgendwo hin“ hab ich in Laos gemacht. Man sitzt nie länger als 10 Minuten allein. Und sehr erfrischend ist, dass sich auch gerne Einheimische zu einem setzen.

  4. Schöne Zusammenfassung, ein paar der vermeintlichen Probleme erkenne ich wieder.
    Was für mich persönlich den größten Reiz am Alleinereisen ausmacht ist, dass man in Situationen kommt, die man sonst nie erleben würde. Dafür nehme ich auch gerne in Kauf, abends mal niemanden zu haben, dem ich davon erzählen kann.
    Außerdem wächst man am alleine sein, man lernt sehr viel über sich.
    Ich glaube aber, dass einfach nicht jeder dafür gemacht ist.
    Save travels!

  5. Ganz ehrlich? Beides ist toll! Alleine oder in Gesellschaft (zu zweit oder als Family – die Konstellationen habe ich neben dem Alleinreisen). Schlimm sind eigentlich nur diejenigen, die alles in eine Schublade stecken möchten, oder? Allein = schlecht, Gesellschaft = gut – aber auch umgekehrt! Entscheidend ist, was man aus der Sache macht, stimmt’s? Sonnige Grüße, Jutta

    1. Jutta, ich will Reisen in Gesellschaft gar nicht schlecht machen, sondern nur darstellen, wie einfach und „nicht scheisse“ alleine Reisen doch ist ;-)
      Und ja. Es ist immer gut, wenn man was draus macht! lg matze

  6. Die Auflistung ist schon interessant. Genauso könnte man aber bei jedem Punkt dagegen argumentieren. Ich denke, es kommt wirklich auf die Persönlichkeit an. Vor 5 Jahren bin ich alleine für einen Monat durch Spanien und Portugal und es war fantastisch. Heute reise ich gerne mit meiner Partnerin und es ist ebenfalls fantastisch.

    Ich denke, wenn du jemanden hast, mit dem du deine Reise gerne teilst, dann macht es dir auch mehr Spaß zu teilen. Wenn du mit jemandem herumreist, nur um nicht alleine zu sein, dann…ja, dann sollte man sich das zweimal überlegen, ob man nicht auf sich alleine umstellt und die Reise angeht.

    Last but not least: Alleine reisen ist auf jeden Fall eine riesiges Selbsterlebniss und man lernt sich selbst nochmal neu kennen. Der Kopf kann durchatmen und ein wenig „Einsamkeit“ fühlen kann auch schön sein – wenn die Dinge, die einem das Herz erwärmen wieder vor Augen geführt werden.

    Das waren meine 2 cent hierzu, starker Post!

    Beste Grüße,
    Matt

  7. Seh ich alles GANZ GENAU SO! Vor allem das hier: „Was tatsächlich „scheisse“ ist am Alleine Reisen: Ich hatte manchmal einfach zuviel davon, andauernd neue Menschen kennenzulernen. […] Aber auch da gibt es ein ganz einfaches Mittel dagegen: Sei allein! Du wirst es genießen!“

    Ich war letzten Herbst zum ersten Mal alleine unterwegs (in Schottland >> http://fraeulein-draussen.de/tag/schottland/) und habe für dieses Jahr schon 4 weitere Trips geplant – natürlich alle allein :) Man kann dann einfach auch so herrlich spontan buchen (arme Kreditkarte)!!

  8. Auch hier gilt das, was für fast alles gilt: Die Abwechslung machts. Ich bin gerne allein unterwegs. Aber ich freue mich auch, wenn ich meinen Trip mit jemandem zusammen unternehmen kann.

    Was aber noch so ein Punkt ist, den auch Du, Matze, einmal an einem anderen Ort angesprochen hast: Wenn man etwas älter ist (so ab Mitte 30) findet man immer weniger Alleinreisende in einem ähnlichen Alter.

    Nicht, dass ich etwas gegeben 20-Jährige hätte. Aber insbesondere wenn es darum geht, ein paar Tage zusammen unterwegs zu sein, ist mir jemand Gleichaltriges lieber.

    Wie siehst du das?

    1. Im Grunde genau wie Du, Oli! Ich hab allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass es im Bereich der 20-er solche und solche gibt :)
      Generell muss man Menschen im selben Alter eher ansprechen. Da geht das nicht ganz so einfach wie im jahrzehnt drunter….

  9. Der größte Nachteil des Alleinereisens liegt in meinen Augen darin, dass man besondere, einzigartige Moment nicht mit einer vertrauten Person teilen kann. Und dann hilft leider auch kein Internet/social media; Aufschreiben ist in der Tag sehr hilfreich, passiert jedoch im Nachhinein, also wenn der Moment bereits vorüber ist (ist also so etwas wie eine Selbsttherapie für den leicht traurigen Moment im Moment der besonderen Erfahrung ;)

    LG,

    Moni

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