Dim Sum in Singapur

Singapur ist irgendwie nicht so die Stadt, um andere Leute kennenzulernen, sollte man nicht gerade auf reiche Bänker oder ihre Frauen stehen. Also gehe ich alleine essen. Im Rotlichtviertel. Nein, nicht, weil ich nach Gesellschaft suche, sondern weil man mir sagte, es gäbe dort die besten Dim Sums. Nein, das sind keine Freudenhäuser, sondern Teigtaschen gefüllt mit allerlei Sachen, die man sich vorstellen kann und sicher auch nicht vorstellen mag. Praktischerweise ist die Empfehlung sogar nur eine Querstrasse von meinem Hotel entfernt.

Zuerst lande ich im falschen Restaurant. Das kann hier leicht passieren, weil recht wenig Wert auf Unterscheidung gelegt wird. Der Laden wird sich schliesslich füllen, da in Singapur kaum jemand zuhause kocht. Gegessen wird auf der Strasse!

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Falsches Restaurant

Nun gut, nachdem ich mit Händen und Füssen rausbekomen habe, dass der Laden, in dem ich gerade sitze keine Dim Sum serviert, gehe ich einfach zum nächsten, der zwar verdächtig „Tim Sum“ heisst, aber ich bekomme erstmal eine Karte mit Reisgerichten. Auf meine Nachfrage hin wird ein wahres Heer an Bedienungen auf mich losgeschickt mit der Hoffnung, dass eine mein Englisch versteht. Bingo! Eine kanns! Und die bringt mir dann auch gleich die richtige Karte, einen Bestellzettel und einen Bleistift, der so spitz ist, dass ein Samurai neidisch drauf gewesen wäre.

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Richtiges Restaurant

Ich bestelle blind drauf los:

  • Einmal Dim Sum gedämpft mit Krabbe
  • Einmal Dim Sum gedämpft mit Schwein
  • Einmal Dim Sum frittiert mit Beancurd

Keine Ahnung, was Beancurd ist. Ich denke mir irgendwas mit Bohnen und bestelle.

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Da mir langweilig ist, beschliesse ich, das Ganze live auf Instagram zu spammen. Alles, was auf meinem Tisch passiert, ein Bild.

Überraschenderweise kommen meine drei Bambuskörbchen mit den kleinen Dingern so schnell, dass ich mit dem Fotos hochladen kaum hinterherkomme. Mag auch daran liegen, dass ich in Asien noch nie ein so langsames Internet hatte wie hier in Singapur. Was solls, mein Essen wird kalt!

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Schwein!
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Tofu!
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Krabbe!

Die Krabbendinger sind sehr lecker. Innen pürierte Krabbe und bestimmt eine Unmenge an Gewürzen. Aussenrum Teig. Die Schweinedinger sind noch besser. Würziger. Dazu probiere ich die Chili-Sosse, die vorher auf meinen Tisch gestellt wurde. Hätte ich die mal lieber zu den Beancurddingern genommen. Schnell gegoogelt, Beancurd ist TOFU! Und sie schmecken tatsächlich wie deutsches Tofu: Nach alten Schuhen! Da ich von jedem nur drei Stück bekommen habe, bin ich natürlich traurig über den Verlust eines Schweinedings.

Zum Nachtisch wird mir dann noch eine Prostituierte angeboten, ich lehne allerdings zum tausendsten Mal diese absolute „Gelegenheit“ ab und überlege, ob ich noch ein paar Dim Sum mit Ei bestellen soll. Ich entscheide mich dann doch dagegen, weil ich hier eine deutsche Bäckerei mit Vollkornbrot entdeckt habe und dort morgen frühstücken will.

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Meine „Gelegenheit“ in Blau schenkt ihrem Zuhälter und seiner Freundin Bier nach…

Aber bevor ich jetzt noch weiter in deutsche Touri-Peinlichkeiten abschweife, hake ich Dim Sum in Singapur als tolle Sache ab und träume lieber schnell von dunklem Brot mit Leberwurst, Nutella, Mett……

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