„Keep cool“ in Phnom Penh. Oder auch nicht…

Mit dem Minibus kommen wir an die kambodschanische Grenze, werden gebeten, die Grenze ohne unsere Pässe zu passieren (die mussten wir in Laos abgeben), was definitiv ein komisches Gefühl ist. Dann sitzen wir ca. 2 Stunden in der Hitze, haben die einmalige Gelegenheit, zuzusehen, wie in Kambodscha Fleisch auf einer dreckigen Bambusmatte mariniert wird, wie die Köchin noch ihre Geheimzutat „Tröpcheninfektion“ dazuhustet und dann liebevoll die Fleischstreifen in die Sonne hängt, damit sie auch garantiert noch genug Staubpanade und Fliegeneiergeschmack abbekommen. Aber ich hab irgendwie keinen Hunger…

Irgendwann kommt dann tatsächlich jemand, der uns unsere Pässe wiedergibt. Fast allen. Zwei Schweizer dürfen nicht mit zum Bus, da ihre Pässe nicht mehr auffindbar sind. Wir anderen hingegen dürfen einsteigen, ohne genau zu wissen, wohin der Bus fährt. Kann einem hier nämlich keiner so genau sagen. Aber was solls, es gibt eigentlich sowieso nur eine Richtung, in die man fahren könnte – Süden! Immer den Schlaglöchern nach, die hier auch mal hundert Meter gross sein können.

Der Unterschied zu Laos in der Landschaft könnte nicht grösser sein: Kaum Bäume, überall gerodetes oder noch brennendes Gestrüpp und die Hauptattraktion: Der Müll. Auf der Strecke nach Kratie kommt mir das Land fast wie eine riesige Müllkippe vor. Teilweise sieht man brennende Müllberge, rechts und links der Strasse: Müll, in den Dörfern: Müll. Hunde und Kühe, die ihre Köpfe in Plastiktüten am Boden stecken. Abturn!

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Kratie Riverfront

In Kratie angekommen: Müll. Und tatsächlich, die Menschen hier werfen jeden Müll einfach genau dahin, wo sie gerade stehen oder gehen. Ich finds recht eklig. Mein Hotelzimmer ist gefühlte 1,50 Meter hoch und verdammt heiss. Klimaanlage? Nix da! Für den nächsten Tag buche ich einen Bus so früh wie möglich nach Phnom Penh und ein mit 20 Eur definitiv sehr teures Hotel. Ich brauche einfach mal eine Matratze, die sich nicht wie Holz anfühlt und eine funktionierende und nicht brüllende Klimaanlage.

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Kratie City Center
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Kratie City Center

Um 7 Uhr am nächsten Morgen wache ich schweissgebadet auf. Thailand ist heiss. Laos ist heisser. Aber Kambodscha ist unfassbar heiss. Ein Minibus holt mich ab. Zugelassen für 12 Personen. Mit 20 Personen ist er für kambodschanische Verhältnisse sogar noch recht leer und der Fahrer hält sich für eine Mischung aus Michael Schumacher und Rambo. Insofern kommen wir recht schnell nach Phnom Penh, fahren über autobahnbreite Staubpisten auf die Stadt zu, ob hier Rechts- oder Linksverkehr herrscht ist überhaupt nicht mehr klar, es wird einfach durcheinandergefahren. Da meine Nerven noch schön in Don Det in der Hängematte rumliegen (ich solle doch schonmal vorfahren, sie kämen denn irgendwann nach…), frage ich mich, wie ich so schnell wie möglich aus diesem verrückten Phnom Penh wieder rauskomme. Aber zuerst: Duschen! Der Schweiss bildet schon Salzkrusten auf meinem Hemd…

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Verkauft tolle kalte Getränke in Tüten! Die Flaschen sind nur Deko.
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Phnom Penh Central Market

Und ich habe Glück: Der Tuktuk-Fahrer findet doch tatsächlich irgendwann mein Hotel (ist hier nicht so einfach, weil die Strassen-Nummern etwas willkürlich verteilt wurden und Hausnummern ein Witz sind, weil jeder selbst entscheiden kann, welche Nummer er haben will. So gibt es in manchen Strassen mehrmals die Nummer 88 usw..), ich checke ein, geniesse zuerst die Dusche, dann die Klimaanlage, dann das Bett und schlussendlich kommen sogar meine Nerven an.Kurz vor Sonnenuntergang gehe ich nach draussen, suche mir einen Geldautomaten, um an Dollars zu kommen (Kambodscha hat eigentlich eine eigene Währung, den Riel, aber gezahlt wird hauptsächlich mit Dollars), finde einen, laufe durch die Strassen, am Central Market vorbei, schwitze schon wie nie vorher in meinem Leben und besuche an der Riverfront den Foreign Correspondents Club. Das ist das Restaurants, in welches alle Touristen hier mindestens einmal gehen. Wahnsinnig teuer, wahnsinnig kolonial und wahnsinnig gut, um andere Touris kennenzulernen, wenn man keine Lust hat, sich allein durch die Stadt zu bewegen.

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Independence Monument
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Phnom Penh Riverfront mit Königspalast

Und so lerne ich dann recht schnell Chris kennen. Chris ist Neuseeländer und war Mitte der actziger Jahre als Soldat der australischen Army in Phnom Penh stationiert, als der Bürgerkrieg gerade zu Ende ging. Jetzt hat er sich wie ich 6 Monate freigenommen, um ein wenig rumzureisen. Kurze Zeit später lernen wir dann noch Dilek kennen, eine Türkin, die in Holland lebt, aber zur Zeit kambodschanischen Kindern in Siem Reap Englisch unterrichtet. Wir trinken zusammen noch ein paar Angkor-Biere und beschliessen, am nächsten Tag gemeinsam ein Tuktuk zu mieten und Sightseeing zu machen. Und, um mit Kalaschnikows zu schiessen…

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