Phonsavan – Krüge ohne Ende

Nach dem etwas danebengegangen Erlebnis in Luang Prabang will ich nach Phonsavan, etwas südöstlich gelegen mit der Hauptattraktion Steintöpfe. Vielversprechend. Morgens warte ich vor dem Guesthouse auf mein Tuktuk, das mich zum Busbahnhof bringen soll. Aber es kommt ewig nicht. 8:30 Uhr ist Abfahrt des Busses und das Tuktuk kommt um 8:45 Uhr. Macht aber nix, in Laos geht das eben alles so. Hab ich mich schon dran gewöhnt. Auch, dass anstatt des gebuchten Local Bus ein Minibus auf mich wartet ist keine grosse Überraschung. Es geht los, den Weg durch die Berge, die endlosen Kurven und die Schlaglöcher zurück.

Nach sieben Stunden sind wir endlich am Ziel. Phonsavan. Eine Satdt wie aus einem Soviet-Schinken. Breite verstaubte Strassen, die Einwohner alle vermummt (Staub…), überall stehen alte Bomben aus dem Indochinakrieg als Dekoration rum – ich fühl mich sofort wohl! Da ist allerdings noch was, was mich echt freut: Wie kühl es hier ist! Nachmittags nur 25 Grad, nachts sogar nur 12 Grad. Herrlich! Nach exakt 4 Wochen Reisen eine willkommene Abwechslung.

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Ich buche für den nächsten Tag eine wahnsinnig teure Tour zu den Töpfen, in ein Mong-Dorf, zu einem Buddah, zum zerbombten ehemaligen französischen Krankenhaus und zu den Bombenkratern. Klingt vielversprechend! Am Abend falle ich einfach nur noch tot ins Bett. So tot, dass ich am nächsten Morgen wie auch die letzten Tage schön um 6:30 Uhr aufstehen kann, frühstücken, duschen und meinen Guide treffen. Es stellt sich raus, dass ich eine Privattour bekomme. Noch besser! Wir fahren los. Es ist neblig, die Sonne sticht allerdings schon hier und da durch den Nebel. Es sieht fantastisch aus. Die Berge noch so halb unsichtbar, die ausgetrockneten Reisfelder (Trockenzeit!) sind schon sonnenbeschienen.

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Ich unterhalte mich gut mit meinem Guide, der ausgesprochen gut Englisch spricht. Generell ist mir das in Ponsavan aufgefallen: Die Menschen hier sprechen gutes Englisch, obwohl sie so abgelegen wohnen und hier nicht allzuviele Touristen vorbeikommen. Wir fahren zuerst zum Buddah. Nichts besonderes, ein weiterer Buddah eben. Danach gehts zum französischen Krankenhaus und zur lokalen Stupa (Symbol für Buddhismus).

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Nachdem ich noch einer alten Frau in einer kleinen Hütte zusehen durfte, wie sie Reisnudelpapier fabriziert (sie sitzt wirklich den ganzen Tag in der Hütte und hat ein Feuer brennen – mir haben nach 2 Minuten schon die Augen gebrannt), fahren wir zur ersten Site of Jars, den Töpfen. Die stehen seit Ewigkeiten in der Gegend rum und warten darauf, dass jemand klärt, wozu sie eigentlich mal da waren. Die UNESCO sagt, das seien Begräbnisstätten gewesen. Die Einheimischen sagen, in den grossen Töpfen wurde Wasser aufbewahrt und in den kleinen Lao-Whiskey. Ich glaube den Einheimischen. Hört sich einfach schlüssiger und spassiger an.

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Danach fahren wir in das Mong-Dorf. Die Mong sind eine Bevölkerungsgruppe in Laos, die nie viel Geld hatten. Deswegen haben sie sich ihre Dörfer und Hütten teilweise aus Bombenresten gebaut, die sie auf den Feldern gefunden haben (Indochinakrieg!). Was mal eine Attraktion war, ist heute allerdings keine mehr, weil die Mong die Bomben verkaufen, da sie für das Metall gutes Geld kriegen. Also steht da kaum noch was rum. Ebensowenig spektakulär sind die Bombenkrater. Klar, die Geschichte dahinter ist dagegen sehr spektakulär, wenn nicht sogar skandalös. Die Amerikaner haben Laos gebombt, weil von dort zu Zeiten des Vietnamkriegs immer wieder Nachschub nach Vietnam kam. Jedoch steht die Bebombung in keinem Verhältnis. Ca. 900 Tonnen Bomben pro Einwohner! Noch immer ist das Land voller Blindgänger und es ist recht gefährlich, abseits der geräumten Wege rumzulaufen.

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Obwohl der Tag nicht so spektakulär war, habe ich es dennoch sehr genossen, mich den ganzen Tag mit meinem laotischen Guide zu unterhalten und ihm Löcher in den Bauch fragen zu können. Ich habe sehr viel über Laos erfahren können, was ich sonst nicht so einfach oder gar nicht erfahren hätte. Am tollsten finde ich, dass sich die Jugend in Laos langsam von der chinesischen Abhängigkeit abwenden will und sich um die – absolut gigantischen und schützenswürdige – Natur sorgt, die im grossen Stil von der Regierung (btw: Die Regierungsfahrzeuge in Laos werden von China gestellt, mit einem weiteren Sicherheitsauto plus Sicherheitsmännern ausgestattet) ausverkauft wird.

Abends sitze ich gerade mit den Deutschen Katja und Oliver zusammen, als plötzlich Steve und Ro auftauchen. Die beiden Australier, die ich schon seit Vang Vieng immer wieder treffe. Wir gehen schliesslich alle zusammen laotisch essen und danach in die einzige Teeniedisco im Ort, in der Karaokemitschnitte laufen. Dort wird man dann von jungen Laoten gefragt, ob man nicht an ihrem Tisch tanzen könne, weil sie dann interessanter für die Mädels wären. Herrlich!

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