Shoppen in Kuta

Die Sonne in Bali ist heiss und unerbittlich. Ich will einen Hut kaufen. Einen stinknormalen. Er muss noch nicht mal irgendein Fake-Label tragen. Einfach irgendwas, was ganz gut aussieht und die Sonne hier ein bisschen erträglicher macht für meinen schmalbehaarten Freund Kopf. Ich gehe also zu Alex. Alex ist ein Javanese und ist Besitzer eines Hutladens. Der Hutladen steht auf der Strasse. Ist also eher ein Stand. Alex gibt mir erstmal die Hand und denkt, ich sei Australier, weswegen er sofort mit einem „Mate, Gday Mate“ mit indonesischem Einschlag anfängt, sich meine Sympathie zu erschleimen. Klappt aber nicht. Ich schaue ihn wohl komisch an, weswegen er fragt, woher ich komme. Da ich inzwischen gelernt habe, dass alle Asiaten Bayern München eher verstehen als Germany, sage ich eben „Bayern Munik“. Freudestrahlend schaut er mich an und bringt ein „Sweinteiga“ über die Lippen. Da das die Standarderöffnung für ein Verkaufgespräch zu sein schein, lächle ich freundlich und zeige auf die Hüte.

Das seien die besten Hüte, die ich in Kuta bekommen kann, sagt er. Klar, denk ich mir. Toll, dass ich Dich durch Zufall gefunden habe. Und die gleichen Hüte hier an jeder Ecke rumstehen. Nur ich hatte das Glück, so faul zu sein und keine 10 Meter weiter gehen zu wollen.

Gut. Ich probiere also Hut 1 an. Alex meint, der sieht fantastisch an mir aus. Ich finde ihn scheisse, steht mir gar nicht. Hut 2 ist schon besser. Was meint Alex? Alex findet ihn fantastisch. Ich nehme mir den hässlichsten Hut, den er hat – vermutlich sogar ein Hut für ältere australische Ladies, lila und geschwungen – und probiere ihn an. Und Alex findet den natürlich auch wieder fantastisch. Gut, Alex! Auf Deine Meinung kann ich also wie erwartet nicht zählen, da muss ich selbst durch.

Bei Hut 5 bleibe ich hängen. Den finde ich ganz gut. Alex findet ihn – klar – fantastisch! Ich frage Alex, was das Ding aus 100% Paper und Made in China (laut Innenbeschriftung) denn kosten soll. Alex nennt mir den fantastischen Preis, der mich fast aus meinen kaputten Flipflops kippen lässt: 40 Eur (hier mal eingedeutscht für bessere Preisvorstellung).

Ich schaue Alex verständnislos an. 40 Eur für 100% Papier? Ok. Ich weiss ja wies läuft, bin ja schon ein bisschen in Asien unterwegs, sehe aber ein, dass das hier ein Extremfall ist. Ich mache ihm ein Gegenangebot. 1 Euro.

Er schaut mich an, als wolle er mir sofort an die Gurgel! Macht mir aber einen neuen guten Preis von 39 Eur. So langsam kommt mir der Gedanke, dass ich hier mit einem Wahnsinnigen verhandle. Aber gut, für den Spass mach ich mal weiter und biete im 2 Eur. Da fängt er an, mir zu erzählen, dass die Leute normalerweise für seine Hüte 50-60 Eur zahlen und er für mich – echt nur für mich, weil ich aus Bayern Munik bin einen so guten Preis macht, my friend! Ich sage ihm, dass seine Hüte einfach keine 10 Eur wert sind und er mir doch einen immer noch zu hohen, aber reellen Preis machen soll. Er denkt nach. Schaut mich dabei durchbohrend an. Fragt mich dann, ob ich wirklich will, dass seine Kinder die nächste Woche hungern sollen.

Jetzt wirds mir echt zu bunt und ich sage ihm, er kann seinen blöden Hut behalten. Wenn er Touris abzocken will soll er das machen, ich wünsche ihm dabei viel Erfolg, aber ich werde ihm sicherlich keine seiner überteuerten Hüte abkaufen (den Fehler habe ich nämlich schon vorher woanders gemacht).

Da nimmt er mich doch tatsächlich in den Arm und sagt mit einem sehr sehr freundlich gemeintem Gesicht: 38 Eur!

Ich muss lachen. Er lacht mit. Ich frage mich nur, worüber er da genau lacht. Er hält mir die Hand hin, um den sagenhaften Deal zu beschliessen. Und da denk ich mir: Ok, wieso eigentlich nicht. Und sage: 2,10 Eur. Woraufhin unfassbares passiert: Sein Gegenangebot liegt bei 30 Eur. Jetzt hat er mich! Jetzt hat er mir ein so gutes Angebot gemacht, ist mir soweit entgegengekommen, dass ich nicht nein sagen kann! Jetzt bin ich fällig! Denkt er.

So langsam genervt sage ich Bye-Bye und drehe mich weg. Du kannst mich mal, Alex!

Jetzt gehts rasant! 29 Eur sein Angebot hinter meinem Rücken. Ich winke ohne ihn anzuschauen ab und beginne weiterzugehen. Da hält mich doch der Sonnenbrillenverkäufer vom nächsten Stand fest, um mich drauf hinzuweisen, dass ich eben ein absolut unfassbar tolles Angebot bekommen habe und ich wage es wegzugehen? Einfach so?

Alex kommt hinterher. Beschimpft mich fast, ich wolle ihm nur Böses. Wenn ich nicht kaufe bringe ihm das Unglück. Und er würde mir das Pappding für 25 Eur geben. Alex, fuck off!

Wo auch immer man in Kuta etwas kaufen will – ausgenommen die teuren Markenshops und Supermärkte – muss man handeln. Ok. Aber wenn mit Mondpreisen gestartet wird, komme ich mir einfach verarscht vor. Wie lange soll ich denn da handeln? Den ganzen Tag lang für einen Hut? Die Zeit hätte ich zwar, aber ich will sie mir einfach nicht nehmen! Den Händlern gehts auch nicht schlecht. Ich hab mir den Spass gemacht und am nächsten Tag eine Stunde lang in Sichtweite zu Alex Kaffee getrunken. In der Zeit hat er 4 Hüte verkauft. Ohne viel Handeln. An wen? Sorry, Aussies, aber ausschliesslich Australier, die zur Zeit natürlich einen extremen Währungsvorteil gegenüber den meisten anderen haben und sich deswegen nicht scheren, ob ein Hut jetzt 10 oder 40 Eur kostet.

Ich frage mich nur, ob Alex auch Hüte an Balinesen verkauft. Und zu welchem Preis….

3 Antworten auf „Shoppen in Kuta“

  1. Ist das eigentlich nur in Kuta so schlimm gewesen oder generell in den ja doch sehr touribehafteten Gegenden SOAs? Ich gebe zu, ich handele gerne, aber so nun echt nicht, das würde mich tatsächlich ziemlich versauern. ;)

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