Vang Vieng – die laotische Feierhölle

Von Vientiane gehts für mich mit dem Bus weiter nach Vang Vieng. Ich weiss noch nicht so recht, was mich da erwartet, schliesslich war der Ort bis vor einem Jahr der Spasstouristen-Magnet in Laos schlechthin (Das ZDF hat in seiner Mediathek ein ganz eindrucksvolles Filmchen über den Schwachsinn).Dort konnte man sich aufgeblasene Autoreifenschläuche mieten und damit den Fluss runtertreiben, zwischendurch in zig Bars anhalten und trinken, in den Fluss rutschen oder sich mit Seilen in diesen schwingen, wobei es jedes Jahr einige Vollhonks gab, die sich zu Tode bespasst haben. Die Bars am Fluss wurden letztes Jahr von der laotischen Regierung verboten und jetzt soll es dort auch etwas ruhiger zugehen.

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Der Bus dorthin schlängelt sich 3,5h durchs Gebirge und kommt dann in einer wunderschönen Landschaft an. Rundrum Karstgebirge, der Fluss mittendrin und ein Dorf, das kommplett auf Spasstourismus ausgelegt ist. Hier gibt es unzählige riesige Freiluftrestaurants, in denen mehrere grosse Flachbildschirme hängen, auf denen von mittags bis zur Sperrstunde um 23:30 Uhr „Friends“ oder „Family Guy“ laufen. Ein bisschen skurril ist das Ganze schon, es wirkt wie ein grosses Ferienlager für Australier und Engländer. Selbige trifft man hier fast ausschliesslich. Ganz neu sind jedoch die Chinesen. Die haben Laos nämlich als neues Urlaubsland entdeckt. Nicht so weit weg, aber dennoch anders als zuhause (Ausserdem baut China gerade die erste Bahnlinie in Laos – bis nach Bangkok solls irgendwann gehen). Und für die wird hier gerade der Tourismus umgestellt. Die Guesthouses werden durch „schicke“ Hotels ersetzt, die gerne den Zusatz „Palace“ im Namen haben und mit viel Leuchtschrift-Bling-Bling aufwarten. Man sieht hier inzwischen auch schon sehr viele chinesische Reisegruppen, was ganz vorurteilsfrei immer recht amüsant ist.

Trotzdem fahre ich dann auch gleich am nächsten Morgen mit Steve aus Australien auf seinem Motorrad zur „Blue Lagoon“. Den genauen Weg dorthin wissen wir nicht, schlagen einfach mal die grobe Richtung ein und werden irgendwann von laotischen Kindern darauf hingewiesen, doch rechts abzubiegen. Nach einem weiteren Kilometer ist ein Seil über den Feldweg gespannt und ein Einheimischer verlangt von uns 10.000 Kip für die Durchfahrt zur Lagune. Da das nur ca. ein Euro ist, geben wir ihm das Geld und gelangen auf eine Art Bauernhof mit einer grösseren braunen Pfütze und einem deprimiert dreinschauenden französischem Päärchen (die den ganzen Weg gelaufen sind – ca 2,5h!!). Das sei die Lagune. Später finden wir heraus, dass vor der Tourifalle schon ewig gewarnt wird. Wir schreiben das Lehrgeld ab und fahren weiter, gelangen tatsächlich irgendwann an die echte „Blue Lagoon“ und trauen erstmal unseren Augen nicht.

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Das Wasser ist wirklich extrem blau (oder grün – aber das Ding heisst nunmal BLUE lagoon, kann ich nix machen), extrem kalt und wahnsinnig erfrischend. Man kann von einem Baum aus ca. 6 Metern Höhe reinspringen, sich an einem Seil reinschwingen, über dem Wasser schaukeln, sich in die Sonne legen, sich überdachten Schatten nehmen, es gibt Essen, Getränke, Musik, alles ist entspannt.

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Und sollte man mal von Entspannung genug haben, kann man den Berg hochklettern und eine riesige Höhle (Tham Phu Kham Cave) anschauen und bewandern. Ich empfehle allerdings richtiges Schuhwerk und eine Taschenlampe. Ich tat mich mit meinen FlipFlops doch ein wenig schwer. Wer ist auch so blöde…naja.

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Am nächsten Tag wollte ichs dann ganz investigativ wissen und habe das, wovon der Ort hier die letzten Jahre gelebt hat ausprobiert: Tubing! Man mietet sich für 5 Eur einen Reifen, setzt sich in ein TukTuk, wird den Fluss hinauf gefahren und setzt sich dann einfach im Reifen ins Wasser. Hört sich genauso spannend an, wie es war. Man kommt dann an all den geschlossenen Bars vorbei und wünscht sich manchmal doch ein bisschen, dass hier mehr los wäre. Zum Glück gibt es ein paar Restaurants am Fluss und so treffe ich die beiden Berliner, die ich am Vortag in der Lagune kennengelernt habe. Wir treiben also langsam (!!!) den Fluss hinab bis nach Vang Vieng.

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Dort ziehen einen ganz unaufdringlich Kinder aus dem Wasser und wollen dafür natürlich kein Geld. Wer einen ruhigen entspannten halben Tag im Wasser verbringen will, der ist hier genau richtig.

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