Wie ich mich in Tirol mit meinem Körper verstritten habe

Gefühlte 100 Jahre und tatsächliche 12 Jahre stand ich nicht mehr auf den Skiern. Und jetzt sitze ich in der Gondel hoch ins Skigebiet mit dem schönen Namen Obergurgl-Hochgurgl. Mit in der Gondel sitzen die beiden Skilehrer, die unsere Gruppe heute über die Pisten begleiten sollen. Wie wohl meine Chancen stehen, nicht nur auf dem Hintern das Tal zu erreichen, frage ich. Als Antwort bekomme ich, ich solle mir keine Sorgen machen, heute sei schliesslich gutes Flugwetter. Wir fahren noch ein paar Minuten schweigend weiter, bis auch ich den Witz verstehe. Das Lachen bleibt mir trotzdem als dicker Klumpen im Hals stecken.

Hochgurgl
Hochgurgl

Bei strahlendem Sonnenschein und in Skiklamotten gefühlten sommerlichen Temperaturen geht es los. Die ersten Schwünge sind so, dass ich drüber nachdenke, mir lieber gleich absichtlich was zu brechen, um vom Helikopter abgeholt zu werden. Wenn der Kopf den Beinen verzweifelt befiehlt, mit den Skiern eine Kurve zu fahren, diese allerdings so geradeaus weiterfahren, kann das ganz schön frustrierend sein. Besonders, wenn man vor einem Dutzend Jahren eigentlich recht gut auf den Brettern unterwegs war. Man fühlt sich einfach nur bescheuert.

Hohe Mut Alm

Top Mountain Star
Zum Glück heisst es schon nach einer Stunde ab zum „Sightseeing“: Wir sind auf dem Top Mountain Star. 3080 Meter hoch und ein Blick, der einem die Skischuhe auszieht. Zusätzlich zur Aussichtsplattform gibt es hier auch eine Bar. Man könnte schön in der Sonne sitzen, andere hohe Berge anschauen, ein Bierchen trinken und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Unser Skilehrer sieht das allerdings ganz anders. Aber je öfter er uns die Pisten runterschickt, umso besser läuft es bei mir. Inzwischen macht die ganze Sache sogar richtig Spass.
Ein paar Kaspressknödel auf der Hohe Mut Alm später traue ich mich das erste Mal, mit den Skiern zu Carven und lege mich natürlich gleich aufs Gesicht.

DSCF0691

Aquadom
Der geschundene Körper darf sich am Abend im Aquadom in Längenfeld erholen, während das Hirn nochmal versucht, das Verhältnis zu den Beinen zu verbessern. So der Plan. Aber keiner will mitmachen: Die Beine schmollen und das Hirn schaut sich die schneebedeckten Berge an, während der Körper im warmen Solebecken liegt. Ich selbst hab die Schnauze voll von den Dreien und geniesse einfach nur das schwerelose Gefühl im Wasser und freue mich schon auf den nächsten Skitag in Sölden.

Hinweis: Danke, Tirol Werbung, für die Einladung. Meine Meinung bleibt die unbeeinflusste meine.

4 Antworten auf „Wie ich mich in Tirol mit meinem Körper verstritten habe“

  1. Ich schätze, für diese Aussicht da oben an der Bar hätte sogar ich die Piste Piste sein lassen (ich lass ja sonst eher den Mittag Mittag sein, weil ist ja Zeitverschwendung, der Lift fährt doch nur bis vier und überhaupt…;)).
    Aber eventuell hätte ich nach Kaspressknödeln und ausreichend Bier nicht mehr hinunter gefunden…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.