Mexiko, Du Biest!

Raus aus den USA – rein nach Mexiko. Eigentlich war Mexiko überhaupt nicht geplant. Südlicher als San Francisco wollte ich gar nicht. Aber irgendwie hab ich das Meer und den Strand nach dem Herbst in Australien und Neuseeland vermisst. Und San Francisco gab mir dann den nötigen Tritt, das Ticket an die Karibikküste zu buchen.

Wer oder Was ist Mexiko?

Weiss ich irgendwas über Mexiko, was nichts mit Käfern, wässrigem Bier und Guacamole zu tun hat? Nein! Ich bin sozusagen null vorbereitet. Ich weiss nur, dass südlich von Cancun der schönste Karibikstrand Mexikos liegen soll. In Tulum. Also nehme ich nach einer Nacht in Cancun Downtown den Bus ins ca. 100 KM entfernte Tulum. Dort angekommen stehe ich erstmal ein bisschen blöd rum, weil ich mich vorher weder über die genaue Lage, noch über eine Unterkunft informiert habe. Und Tulum an sich liegt gar nicht direkt am Meer. Das ist noch ca. 5 KM weiter entfernt. Also frage ich einen Taxifahrer, ob er erstens Englisch spricht und mir zweitens irgendeine billige Hütte (Cabana) am Meer empfehlen kann. Ersteres verneint er zwar, aber irgendwie schaffen wir es, uns einig zu werden und er fährt mich an den nördlichen Teil des kilometerlangen Strands, ganz in die Nähe der bekannten Maya-Ruinen. Hier bekomme ich tatsächlich eine Hütte für 15 Eur die Nacht, Strom gibts nur nachts und zum Strand sind es zu Fuss ca. 40 Sekunden. So mag ich das!

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Meine Hütte
Der Strand von Tulum
Der Strand von Tulum

Kackende Pelikane

Und dieses Meer! Dieser Strand! Weiss und Türkis passen einfach so gut zusammen! Der Strand ist fast weiss wie Gips (auch fast so fein). Das Wasser geht von türkis über in hellblau. Dazu dann der heute blaue Himmel mit kleinen knallweissen Wolken. Und ich bin auf gefühlten hundert Metern der einzige Mensch am Strand. Wahnsinn! Ich bin gerade der vollen Überzeugung, dass das hier die beste Spontanentscheidung der Reise war. Ich weiss ja noch nicht, wie sich das Ganze die nächsten Tage entwickeln wird…noch freue ich mich jedenfalls, bade, liege am Strand und finde es sogar gar nicht mal so schlimm, dass mich einer der am Strand rumfliegenden Pelikane im Flug ankackt. Gut gezielt, mein gefiederter Freund! Für mich nur eine willkommene Gelegenheit, in die bonbonfarbenen Wellen zu springen.

Morgens um 6
Morgens um 6

Gegen Abend setzt dann das ein, was wir alle kennen: Hunger! Ich laufe den Strand entlang und erwarte mindestens 10 Restaurants, 20 Fressbuden und Strandbars, wie ich das von den Stränden in Asien gewohnt bin. Doch hier: Ein paar geschlossene Bars, ja. Restaurants? Zwei. Beide geschlossen. Irgendwo hinter den Dünen finde ich dann doch eine kleine Bude und kann den Besitzer überreden, mir noch schnell eine Portion Tacos zu machen, bevor er den Laden schliesst. Er erklärt mir, dass hier gerade wenig offen hat. Es sei schliesslich Nebensaison und sobald es regnet, macht sowieso keiner auf.

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Alles verrammelt!

Ich grinse den Teil mit dem Regen einfach weg, war ja schliesslich schön heute. Und Nebensaison heisst erfahrungsgemäss, dass es mal tröpfelt, dann aber wieder Sonne scheint. Und genau das tut es, als ich meinen letzten Taco esse. Als ich zu meiner Hütte zurück komme, regnet es. Ebenso regnet es beim ins Bett gehen. Und beim Aufstehen. Ok, dann regnet es halt mal einen ganzen Tag. Die Wettervorhersage sieht zwar nicht gut aus, aber als ich auf den Gilis war, stand da auch immer, dass es den ganzen Tag gewittert. Mittags dann genau das: Ein Gewitter. Dieses hört dann gegen späten Nachmittag auf. Durch das strohbedeckte Dach meiner Hütte tröpfelt es ein bisschen rein. Egal. Morgen wird sicher besser! Ein durchnässtes T-shirt später weiss ich dann auch, wie recht der Strandbuden-Mensch gestern hatte: Nichts hat auf! Gibts zum Abendessen eben Pringles. Morgen früh gönne ich mir dann ein fettes Frühstück am Strand! Versprochen!

Wetterchen am Traumstrand

Ich wache von höllisch lautem Donner auf. Gegen 5 Uhr morgens. Wieder tropft es durch mein Dach. Gegen 10 entscheide ich dann, mein halb-trockenes T-Shirt anzuziehen und zu den Maya-Ruinen zu laufen. Da gibt es doch sicher jede Menge Restaurants! Gibt es auch, nur unfassbar teuer und massentourismustauglich schlecht. Einmal geht das ja, aber öfter mach ich das nicht. Ich kaufe also nach dem Essen nochmal ne Schachtel Pringles und Wasser und laufe am Strand zurück. Durch den Regen.

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Die Ruinen am Meer

Ich könnte jetzt jeden Tag so weiterbeschreiben, aber das macht keinen Sinn. Überraschenderweise ist es jeden dritten Tag doch sehr sehr schön, wird dann immer von einem infernalischen und Stunden dauernden Gewitter beendet, woraufhin der darauf folgende Tag immer verregnet ist. Entgegen meinen Befürchtungen macht dann zum Wochenende hin doch ein Restaurant auf und ich bekomme jeden Abend gutes italienisches Essen. Liebenswerterweise kriege ich sogar am Montag Essen, obwohl sie da eigentlich geschlossen haben.

In einer denkwürdigen Nacht bekomme ich Besuch von einer Landkrabbe, der es draussen wohl zu nass wurde. Wir streiten uns ein bisschen, weil ich meine Hütte zu klein für uns beide finde und nachdem ich einen Stock gefunden habe, verlässt die Krabbe unfreiwillig aber doch zügig mein Haus. Dasselbe Spiel folgt ab dann jeden Abend mit ihren Freunden, den Kakerlaken. Generell scheint der Regen den Tieren hier ungeahnte Kräfte zu verleihen. Ich hatte noch nie SO juckende Stiche. Und noch nie so viele. Und die Ameisen….

Meine Hütte von Innen

Tatsächlich mache ich hier im „Strandurlaub“ neben meinen Ausflügen in die Zoologie auch ein bisschen Kultur und schaue mir die Maya-Ruinen an, die einzige bekannte Maya-Stadt direkt am Meer. Leider war der wunderschöne Strand direkt an den Ruinen gesperrt. Der wäre nämlich mein Highlight gewesen, nachdem mich steinerne Hausfundamente nicht mehr so faszinieren können.

Nach zwei komplett verdonnertern und verregneten Tagen beschliesse ich am insgesamt elften Tag, die Segel zu streichen und verabschiede mich bei vorhersehbarem strahlenden Sonnenschein von Tulum in Richtung Cancun, wo ich die noch verbleibenden Tage bis zum Abflug nach New York in einem Haus mit Dach und Essen um die Ecke verbringen will.

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pisspisspiss

Nicht jedoch, ohne vorher noch etwas loszuwerden: Ich will Tulum nicht madig machen. Ich bin mir sicher, dass ich in der absoluten No-Go-Zeit da war. Der Strand ist wunderschön und zu anderen Zeiten sicher auch besser versorgt. Zur Info: Es gibt auch noch einen südlichen Strandabschnitt ca. 5KM von mir entfernt, an dem die Versorgung um einiges besser ist. Allerdings sind dort auch die Preise entsprechend. Grösster Minuspunkt für mich jedoch: Der Strand ist dort lang nicht mehr so schön wie im Norden und es gibt weniger treffsichere Pelikane!

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