Wellington, das Bonn Neuseelands

Wellington, was mach ich nur mit Dir? Du bist ja ganz hübsch, und die Fahrt mit der Fähre von der Südinsel war wirklich toll, aber irgendwie sind wir nicht warm miteinander geworden, oder? Vielleicht lags ja am Wetter. Strömender Regen fast die ganzen 2,5 Tage. Und so wirklich warm wars ja bei Dir auch nicht. Und immer dieser Wind. Tu da doch mal was dagegen. Jedenfalls jetzt im Herbst kann der ganz schön auf die Nerven gehen. Und sag nicht, dass er Dich nicht stört! Ich hab doch gesehen, wie sich Deine Bäume dauernd ducken und leidend wanken!

Wellington vom Wasser aus
Wellington vom Wasser aus

Was uns auf jeden Fall im Weg stand, war Dein Phlegmatismus! Raff Dich mal ein bisschen auf! Bring die Leute raus! Du bist Hauptstadt! Wie kanns da sein, dass Du ab 19 Uhr Deine sauberen Bürgersteige hochklappst? Und das, wo ich sogar Dein anscheinend Lebendigstes, die Cuba Street besucht habe. Ich stand da ne ganze Stunde in der zugigen Kälte, nippte an meinem Bier und wartete, dass irgendwas passiert. Das einzige war ein sich für einen Deutsch-Maori ausgebender energydrinksüchtiger Hiphopper, der mich komischerweise unbedingt überzeugen wollte, dass dieses Stück trostlose Mutter Erde die „Partycapital of the World“ sei – „Man, THIS IS WELLINGTON!“. Nein, er hat es nicht geschafft, mich für Dich zu begeistern.

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Die Nationalbanane von Neuseeland

Deine weiteren Qualifikationen wie Botanischer Garten, Parlament, Hafen, Berg, Einkaufsstrasse sind auch alle nett. Aber halt nur nett. Irgendwie scheinst Du in den 70er Jahren eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht zu sein. Kann das sein, Wellington? Sich immer nur zu putzen hilft nicht. Sauber kann auch unsexy sein!

Gut, eins fand ich wirklich toll bei Dir: Essen! Es gibt soviele kleine nette Restaurants, die einem jeden Wunsch vom Gaumen abzulesen können scheinen. Aber sag denen mal, dass nur weil sie Hauptstadt auf dem Schild stehen haben für Fish&Chips keine 20 Dollar nehmen müssen. Das ist Fast Food! Kennst Du nicht? Achja, slow capital.

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Rückseite Wellingtons von weit weg mit Schiff im Vordergrund.

Wofür Du eigentlich nichts kannst: Das Hostel, in dem ich wohnte. Dauerbekiffte Teenies am Dauerpartymachen. Gut, Hostel eben. Immerhin war was los.

Aber abgesehen von all dem sehe ich doch Potential. Schau mal, was Du da für ein Nationalmuseum hast. „Te Papa“ hast Du es genannt. Süß! Aber so toll da drin! Ich hab fast einen ganzen Tag drin verbracht! Ich! Der erklärte Museumsignorant! Tolle Filme, tolle Erdbebensimulation, tolles Alles! Mach einfach weiter so! Nutz das! Wenn Du Dich so weiterentwickelst und ich in – sagen wir mal so ca. 10 Jahren –  nochmal vorbeischaue, dann wette ich, werde ich diesen Artikel zerknüllen und in den Papierkorb werfen können! Ich würd mich freuen. Und Du?

6 Antworten auf „Wellington, das Bonn Neuseelands“

  1. wellington… hm… wir waren damals genau 1h dort um dann direkt wieder kehrt zu machen. man muss dazu wissen, dass wir vor wellington 2 wochen nonstop nur schafe und grüne hügel gesehen hatten. in wellington angekommen die falsche ausfahrt genommen und direkt im business viertel gelandet. geht gar nicht… anzugtragende menschen, die hektisch ihren coffee2go zur arbeit tragen und dabei mit knopf im ohr telefonieren. im nachhinein schade, denn wellington hat doch sicherlich mehr zu bieten. doofe ausfahrt!

  2. Im Sommer war’s wesentlich schöner, als Du es hier beschreibst. Aber ich kann kann mir schon vorstellen, dass das bei 10 Grad und Wind weniger Spaß macht :)
    Und ich würde sagen, Wellington hat ein Hostelproblem. Das YHA war noch ganz in Ordnung, immerhin sehr ruhige Zimmer, aber der Rest war gar nix. (Ich war in drei verschiedenen Hostels, da an einem Cricket-Wochenende die Betten sehr knapp werden)

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