San Francisco Nette Menschen und ein Fast-Raub

12 Stunden Flug! Ich glaube, ich bin noch nie so lange in einem Flugzeug gesessen. Bei der Ausreise aus Neuseeland gibts dann schon die ersten USA-Einreisechecks. Ich muss der Fluggesellschaft versichern, dass ich ein Touristenvisum für die USA beantragt und geenehmigt bekommen habe. Zusätzlich muss ich nachweisen, dass ich einen Flug aus den USA raus gebucht habe. Weiter gehts mit einer genauen Pass- und Ticketkontrolle der Homeland Security noch in Neuseeland.

Ich habe seit Langem schon so meine Bedenken, ob es wirklich eine gute Idee ist, in die USA zu fliegen. Mir ist dieses Land und im Besonderen seine Sicherheitspolitik nicht wirklich sympathisch.

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Passkontrolle bei der Einreise nach San Francisco

Aber was solls. Flug is gebucht und dann steig ich jetzt auch ein. Eine recht altmodische 747 von Air New Zealand. Nach dem Essen schlafe ich ein und wache zum Frühstück wieder auf. Fantastisch! Ich, der ich sonst nie in FLiegern oder Bussen gut schlafen kann, schlafe hier einfach mal komplett durch. Nach 2 weiteren Stunden Flug landen wir in San Francisco und ich freue mich schon wie wahnsinnig auf die Immigrationsbeamten. Die sind hier lustigerweise alle (!) asiatisch. Ich stehe 2 Stunden lang an den Schaltern an, habe aber zum Glück Wifi und kann mir dadurch die Zeit ein wenig vertrödeln. Ab und zu wird immer wieder kontrolliert, ob ich auch die Einreisekarte ordentlich ausgefüllt habe und dann bin ich auch schon dran. Eigentlich hatte ich gedacht, ich bekomme hier Fragen zu den Einreisestempeln der muslimischen Länder, in denen ich vorher war, aber nix! Der Typ blättert nicht mal den Reisepass durch. Fragt mich, wohin ich will, was ich so mache, erzählt mir, dass er schon immer eine Weltreise machen wolle, aber der scheiss Job hier nicht soviel Geld bringe und wünscht mir noch ne tolle Zeit. Ebenso werde ich mit meinem Gepäck einfach so durch den Zoll gewunken.

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Der lange Weg in die USA….

Das wars, USA? Kein Privatverhör? Keinen Verdacht? Kein Auseinandernehmen meiner Route? Ich hab mir da ehrlich mehr erwartet! Ich hätte doch Äpfel in meinem Gepäck haben können! Oder Orangen!!

Gut, also bin ich in Freiheit, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten und scheitere erstmal daran, einen Fahrkartenautomaten zu bedienen. Man muss sich hier selbst ausrechnen, wieviel die Fahrkarte denn kostet, dann die Kreditkarte in den Schlitz stecken und dann – und das hab ich noch nirgends so gesehen – den Betrag von 100$ runter subtrahieren, bis der Preis des Tickets da steht.

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Ich auf dem Weg zum Zug

Gut. Das ist geschafft. Mit dem Zug bis Civic Center und dann laufen. Kein Problem. Auf der Laufstrecke fallen mir schon die einen oder anderen Gestalten auf, die ich jetzt nicht unbedingt zu einem Bier einladen würde. Im Hostel selbst dann erstmal warten müssen. Dann vergessen werden. Dann doch irgendwann einchecken dürfen. Das Zimmer anschauen. Den Gestank riechen. Fragen, ob es ein anderes Stockwerk gibt, auf dem es nicht so stinkt. Alles belegt. Hmm. Wegen Memorial Day ist auch sonst kaum was anderes zu kriegen. Ok, Pille schlucken und durch!

San Francisco ist vor allem eins: Ein Hügel!

Aber erst mal raus. Ich will die Golden Gate Bridge sehen. Ich weiss nicht genau, warum, aber: Ich denke, ich könnte da hinlaufen. Bisher hab ich mir alle Städte „erlaufen“. Aber irgendwann gebe ich auf. Das ist mir hier definitiv zu hügelig. Ich würde noch Stunden über diese steilen Hügel klettern müssen und nehme stattdessen einen Bus. Lässiger Fahrer, der mich einfach so umsonst mitfahren lässt. Der alle umsonst mitfahren lässt. San Francisco gefällt mir langsam besser. Ein ca. 90-jähriger Pakistani erklärt mir, was ich mir anschauen soll und dass ich ja wohl im erbärmlichsten Viertel ever wohne. Er würde da nicht mal tagsüber einen Fuss reinsetzen. Na toll! Wo hätte ich denn sonst hin sollen? Entweder schweineteuer oder belegt. Aber hey, soooo schlimm sah das alles vorhin gar nicht aus….

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Gut, Golden Gate Bridge: Kalt und extrem windig. Und toll. Und gross! Fotos machen und tschüss, bevor ich meinem jetlag-geschwächten Körper noch erkälte. Und da es langsam Abend wird gehts auch zurück in meine Hood. Ich schau mir noch die EINKAUFSSTRASSE an und laufe langsam zum nicht weit entfernten Hostel. Unterwegs erlebe ich zwei Schlägereien, drei Drogendeals, rieche ekligen Crack-Rauch und ein im Gesicht verletzter liegt auf der Strasse rum. Niemand kümmert sich, aber der Rettungswagen kommt gerade. Und überall Obdachlose, die sich schonmal ihr „Bettchen“ aufwärmen. Vor dem Hostel noch eben ein kotzende Mädchen und mir reichts erstmal. Gut, dass ich heute Nacht Schlaf nachzuholen habe und somit keine Lust habe, noch irgendwohin zu gehen.

Bettwanzen und Champions League

Am nächsten Morgen wache ich mit hübschen Bettwanzen-Stichen auf. Jetzt ist auch klar, woher der süssliche Gestank kommt, von dem ich vorher mal gelesen habe. Beschweren bringt nix, weil auch kein Hostel-Angestellter da ist. So ziehe ich verstochen los, um das Champions-League-Finale anzuschauen. Finde auch eine Sportsbar, die jedoch halb-voll die Türe vor der Warteschlange zu macht und meint, die gesetzliche Maximalmenge an Leuten sei schon drin. Ich glaube, in Deutschland würde der Besitzer einfach gelyncht werden. Aber hier sagt man schade und geht seiner Wege. Ich finde trotzdem noch was. Spiel gesehen und weiter. Fishermans Warf.

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Seelöwen. Laut, Stinkig, Faul und nett!

Das Disneyland für Hafenbegeisterte. Die ganze USA unterwegs. Die Fähre nach Alcatraz auf Tage ausgebucht. Ich muss schnell weg hier. Den Seelöwen noch kurz zuwinken und ab ins Cable Car. Das war nett, weil ich den besten Platz hatte. Auf der Plattform hinten. Für Fotos absolut der beste Platz auf dem Ding.

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Next Tuesday!
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Cable Car
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Touristen schauen Autos beim Kurven Fahren zu

Da ich mich spontan gegen eine USA-Durchquerung und für einen deutlich wärmeren Platz auf dieser Welt entschieden habe gehe ich noch eben eine Badehose kaufen und freue mich schon, meinen Lieblingsheimweg anzutreten. Heute scheint jedoch Putztag zu sein und ich sehe nur 2 Festnahmen und komme natürlich genau 10 Minten zu spät, um Wanzenalarm zu schlagen. Die Rezeption hat heute eine Stunde früher Feierabend.

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Der Möwenkönigin wird ein Opfer gebracht

Ein Taxifahrer erspart mir ein Loch im Bauch

Da morgen Abreisetag ist, ist mir das jetzt auch egal und ich wickle mich hermetisch in meinen Schlafsack ein. Morgens um 6 freue ich mich, nur am Handgelenk gestochen worden zu sein und mache mich auf den Weg zum Bus, der mich zum Flughafen bringen soll. Der fährt so ca. 200 Meter vom Hostel entfernt ab. Unterwegs geparkte Autos mit eingeschlagenen Fensterscheiben, schlafende Obdachlose, Besoffene und an der Haltestelle drei offensichtliche Crackheads, die mich fragen, was ich in meinen zwei Rucksäcken haben und immer näher kommen. Ebenfalls näher kommt ein Taxifahrer, der direkt neben mir hält und meint, ich solle mal schnell einsteigen. Ich will in meiner gottverdammten Verschlafensdummheit fast sagen, dass ich kein Taxi bestellt habe, irgendwie springt der Motor in meinem Kopf dann aber doch an und ich werfe zuerst mein Gepäck, dann mich selbst ins Taxi. Der Fahrer meint nur, ich hätte innerhalb der nächsten 30 Sekunden ein Messer entweder vor dem Gesicht oder im Bauch gehabt und wieso ich eigentlich so dumm sei, in dieser Gegend morgens um halb sieben am Samstag rumzustehen. Mir fällt dazu ausser gnadenloser jetlagbedingter Verpeiltheit nicht viel ein, ich freue mich aber sehr, dass ich jetzt den zehnfachen Buspreis zum Flughafen zahle, dafür aber kein crackverseuchtes Metall im Bauch stecken habe. Der Mann bekommt ein sehr sehr gutes Trinkgeld! Und ich bin ehrlich froh, aus San Francisco raus zu sein. Ich habe hier sehr nette Menschen getroffen. Aber ach richtige Arschlöcher, wie auf der ganzen Reise vorher noch nicht.

Eine Antwort auf „San Francisco Nette Menschen und ein Fast-Raub“

  1. Spannend und unterhaltsam! Und steigert das Bedauern wirklich immens, noch nie dort gewesen zu sein. ;)
    Sehr sympathisch übrigens, Städte immer laufend zu erschließen. Aber manche sind wohl wirklich einfach zu groß oder du brauchst entspannt ein paar Wochen vor Ort.

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